"Die kubanische Nation, von der die Ideologien und Mythen sprechen, ist eine
Burg, ein Altar, ein Opferstein. Ein solches Land lässt sich nur durch intensives
Betrachten kurz einmal sehen, mit einem durch Sehen erworbenen Wissen, dessen
Durchschaubarkeit symbolisch mit der Metapher des Sonnenlichts darstellbar ist."
(…) "Wird es das Freiheitsgefühl unserer Kultur sein: der Mond der moralischen
Welt?“
Rafael Rojas, Relecturas Nacionales (Nationale Vorlesungen)
Diese Arbeiten zitieren Teile einer poetischen Rede, die einen heiteren und arglosen
Blick auf unsere Nation wirft und die anpassungsfähige und tolerante Seite der
kubanischen Eigenart bevorzugt, die alltäglichen und weniger die heldenhaften Erscheinungen ihres insularen Daseins. So fiel meine Wahl auf die Darstellung vertrauter
Elemente: die Karte eines Stadtviertels von Havanna, wo ich einmal lebte, etwas verschwommene
schwarz-weiße Kopien von Familienfotos, Zeichnungen von mir selbst und verschiedener
anderer Gestalten, und, in beinahe magischem oder fetischistischem Grad vorgehend,
einige Gramm Erde, die mir ein Freund von einem Reiseaufenthalt auf die Insel aus
irgendeinem Garten in Havanna mitgebracht hat.
Diese Serie ist auch ein Ausdruck von Synthese, der Strategien und Methoden meiner
früheren Arbeit wieder aufnimmt — wie Aphorismen der kubanischen Seele —, um der gesamten Ikonografie der grafischen Propaganda diese poetische Einbildungskraft
gegenüberzustellen, die ein anderes Kubanisches herbeiträumt, im Besonderen
eine unerfüllbare Übung, die nicht einmal mehr eines konkreten Ortes bedarf, weil sie von einem allgegenwärtigen, diasporischen Geist und Körper
geträumt wird. Schließlich rettete ich Bruchstücke — mehr wörtlich
gesehen - aus den Bildern herüber, die ich für meine erste kanadische Ausstellung
mitgebracht habe: Malerleinwände voller kubanischer Gegenstände aus 1997,
jetzt in einem Bricollage-Verfahren auf andere Leinwand aufgebracht,
die ein wenig außer der Mode zu sein scheint inmitten einer Szene, die
von multimedialen und digitalen Zeichen beherrscht wird, für mich aber die geistige
Beständigkeit eines Totems hat … oder eines Tabus!